Bau und Einweihung
Infolge der Industrialisierung explodierten auch in Marten die Einwohnerzahlen. Bei der ersten Kohleförderung der Zeche Germania im Jahr 1858 besaß Marten 792, im Jahre 1871 schon 2053 Einwohner.
Den stärksten Zuwachs hatte der Ort in den 10 Jahren von 1895 bis 1905 zu verzeichnen. Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich von 1895 mit 5048 auf 10427 Einwohner im Jahre 1905.
In Marten gab es bis ins 19. Jahrhundert keine Kirchen. Die evangelischen Dorfbewohner gehörten zur Bartholomäus Kirchengemeinde in Lütgendortmund, die Katholiken zum Kirchspiel Kirchlinde. Durch den Zuwachs des katholischen Bevölkerungsteils wurde die Errichtung einer eigenen Pfarrkirche unumgänglich.
1892 wurde der Martener Bonifatiusverein zur Beschaffung von Mitteln für die kirchlichen Bedürfnisse gegründet.
1895 erhielt Marten mit Vikar Joseph Kramps einen eigenen katholischen Geistlichen. Das Hauptbestreben des neuen Vikars war zunächst, die nötigen Mittel zu sammeln, um ein würdiges Gotteshaus bauen zu können. Kein Weg war ihm zu weit und keine Mühe zu groß.
Am 24. Juli 1898 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung für den Bau der katholischen Kirche Heilige Familie durch Bischof Hubertus Simar. Das Grundstück an der heutigen Ecke Schulte-Heuthaus-Straße/Sadelhof hatte die Witwe des Gutsbesitzers Haumann der Kirche geschenkt.
Frau Beate Haumann (1855-1939)
Bereits am 24. Oktober 1899 konnte der Bau durch den Weihbischof Augustinus Gockeln eingeweiht werden. Die Kosten für den Hochaltar beliefen sich auf 4000 Mark, die für die Seitenaltäre auf jeweils 1800 Mark.
Gleichzeitig mit der Kirche wurde das Pastoratsgebäude für 16 000 Mark erbaut.
Pfarrei Heilige Familie
Am 31. August 1902 wurde aus der Filialgemeinde Marten die eigenständige Pfarrei Heilige Familie. Im Jahr 1908 erhielt die Kirche ihre erste Ausmalung durch Professor Heinrich Nüttgens, 1913 den Anbau einer zweiten Sakristei für 2612 Mark.
Katholische Kirche um 1911
Seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgten in regelmäßigen Abständen Ausbesserungsarbeiten und Reparaturen.
Postkarte der Schreibwarenhandlung Nolte von 1959
Früherer Altar mit Baldachin
Leiter der Pfarrgemeinde Hl. Familie zu Marten
Die Leitung der Pfarrgemeinde Hl. Familie in Marten wurde über die Jahrzehnte von verschiedenen Geistlichen geprägt. Die Reihe der Seelsorger begann mit Joseph Kramps, der zunächst als Vikar und später als Pfarrer 1895-1902 im Dienst war. Ihm folgte Friedrich Reinecke, der die Gemeinde 1903-1908 als Pfarrer leitete, bevor Wilhelm Deimel das Amt 1908-1923 für einen längeren Zeitraum übernahm.
In den darauffolgenden Jahren stand die Pfarrei unter der Leitung von Franz Mertens 1924-1928 und Friedrich Klüner 1928-1936. Während der schwierigen Zeit 1936-1944 trug Josef Blume die Verantwortung als Pfarrer. Eine besonders lange Ära prägte Christian Holtgreve, der die Gemeinde 1945-1978 über drei Jahrzehnte lang führte. Sein Nachfolger wurde Heinrich Stemmermann, der das Amt 1978-1996 bekleidete.
In der jüngeren Vergangenheit wurde die Gemeinde von Pfarradministratoren verwaltet: Zunächst übernahm Heinz-Josef Forthaus 1996-2000 diese Aufgabe, gefolgt von Thorsten Neudenberger, der die Leitung 2000-2007 innehatte.
Die Pfarrgemeinde ist nun Bestandteil des Pastoralverbund Dortmunder Westen und wurde nach dem letzten Gottesdienst am 28. Juni 2026 profaniert.
Das Innere der Kirche
Foto: Hans Heinrich Lömker †
Fenster über dem Eingangsportal mit der Hl. Familie sowie den Kirchen St. Bartholomäus in Lütgendortmund und St. Joseph in Kirchlinde
Foto: Hans Heinrich Lömker †
Pieta in der ehem. Taufkapelle
Altarkreuz in Form eines griechischen Taus (unser heutiges T) – Entworfen und gestaltet von dem Bildhauer Wilhelm Haußmann aus Menden
Blick auf den modernisierten Altar
Engelfenster über dem Chorraum geschaffen von dem Maler Hubert Spierling aus Krefeld
Erklärung der Engelfenster durch Pfarrer Christian Holtgreve – Pfarrer in Marten von 1945 bis 1978:
Diese Engel sind alles andere als niedlich und hübsch; denn der Engel hat keinen Leib. Der Engel ist und bleibt ein durchaus jenseitiges Wesen, der immerdar bei Gott ist und mit den Augen der Ewigkeit alles durchschaut. Für uns aber heißt das, den Engel so darzustellen, dass seine Mächtigkeit und Größe und sein übermenschliches Wissen überzeugend erscheinen. (Heißt es doch immer, wenn der Engel auftritt: „Fürchtet euch nicht!“).
Deshalb stand außer Frage, dass die Fenster Engel zeigen müssten, die die andere Welt, die Welt der Engel versinnbildlichen, gleichnishaft erfassen. Von dieser anderen Welt erzählen die vielen Augen, innen und außen, die der Prophet Ezechiel vom Engel meint. Dahin gehören die Schwerter, die aber jetzt aufgehoben sind, weil das Paradies wieder angebrochen ist. Wir singen an Weihnachten: „der Cherub steht nicht mehr dafür, Gott sei Lob, Preis und Ehr“. Dahin gehören auch Tuben oder Trompeten, aus denen Feuer auf die alte Erde fällt. Sie soll verbrennen, um einer neuen Erde Platz zu machen.
Marienfigur aus dem Jahre 1957
Pfarrer Christian Holtgreve, der die Marienfigur in Auftrag gab, beschreibt sie so:
Wir haben lange überlegt, wie wir unser Marienbild gestalten sollten. Die vergangenen Jahrhunderte sahen in Maria den Thron Gottes, auf ihrem Schoße oder in ihren Armen das göttliche Kind.
Deshalb glaubten wir, das Marienbild unserer Zeit in der geheimen Offenbarung, Kapitel 12 gefunden zu haben. Da heißt es: „Ein großes Zeichen erschien am Himmel, ein Weib, mit der Sonne umkleidet, zu ihren Füßen der Mond, und um ihr Haupt ein Kranz von 12 Sternen.“ So ging der Bildhauer Benno Werth ans Werk und schnitzte aus dem Stamme einer Eiche unsere Madonna, 235 cm hoch.
Die Plastik selbst hat sehr sparsame, nur wenige Falten. Er gestaltete sie aber so: Maria greift mit der rechten Hand in die Sonne, in das Gottesleben und, indem sie ihren Kopf ein wenig neigt, spricht sie das Wort vom Magdsein, vor lauter Freude über solche Begnadung unter allen Menschengeschlechtern.
Im gleichen Maße darf sie der Erde (Jericho heißt hebräisch so viel wie gefallene Kreatur, Jericho ist „der Mond“ zu ihren Füßen), das Gottesleben, nämlich Christus, schenken, dargestellt durch die andere Hand, die nach unten weist.
Was Maria einmal getan hat und durch ihre Fürsprache für uns immer wieder tut, das ist auch der Auftrag der Kirche, die an Pfingsten vom heiligen Geist Christi erfüllt wurde. So ist die die Kirche der Leib Jesu geworden, sie trägt nun Christus der ganzen Welt zu; in Wort und Sakrament holt sie die verlorene, gefallene Schöpfung in das Gottesleben hinein.
Das also heißt Maria und die Kirche. Deshalb darf dieselbe Kirche am 15. August, an Maria Himmelfahrt, der Vollendung des Marienlebens, das Wort der Geheimen Offenbarung, das Johannes auf die Kirche hin gesprochen hat, auf ihre große Tochter, die Mutter Christi anwenden. – Maria und die Kirche ist dasselbe herrliche Geheimnis der Auserwählung und des Auftrages Gottes an der Welt.