Naturdenkmal „Alte Platane“ am Voerstenhof

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Ostseite der Platane

Mein Name ist Platane

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Mein Name ist Platane, im lateinischen Platanus. Nach Deutschland kamen meine Vorfahren im Jahre 1743 über England und Frankreich. Dank meiner Robustheit habe ich als Stadtbaum die vielen Jahre gut überlebt. Ich wurde hier am 25. Januar 1790 von Martenern gepflanzt. Es war ein Jahr nach der französischen Revolution. Marten hatte damals 320 Einwohner. Mein heutiger Stammdurchmesser beträgt 1,80 Meter. Ich habe einen Umfang von mehr als 6 Metern. In den vergangenen Jahrhunderten habe ich viel Freud und Leid in unserem Ort gesehen.

Bisher war ich immer stumm, doch heute werde ich etwas von meiner Geschichte erzählen. Durch die französische Revolution und durch den Leitspruch Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ging damals ein Ruck durch ganz Europa. Um 1800 strebten viele junge Leute dem französischen Feldherrn Napoleon zu, um die neuen Ideen zu verwirklichen. Nach den Schlachten bei Jena und Auerstedt gehörte Marten zum Königreich Westfalen.

Am 15. November 1807 erhielt das Königreich Westfalen eine schriftliche Verfassung nach den Idealen der französischen Revolution. Die Privilegien des Adels wurden abgeschafft, außerdem auch die Leibeigenschaft. Im gesamten Königreich Westfalen wurde eine Verwaltungsreform durchgeführt. Man erstellte zum Beispiel ein Einwohner-Melderegister mit allen Geburten, Hochzeiten und Todesfällen. Auch erhielten alle Häuser eine Nummer. So begann man am Ostentor in Dortmund mit der Nummer eins und es wurde bis zum Westentor durchgezählt.

Auch von anderen Städten kennen wir diese Nummerierung. So erhielt in Köln ein weltbekanntes Haus die Nummer 4711. Heute noch ist es in Venedig üblich, die Häuser zu nummerieren. Dort lautet z.B. die Adresse eines Hauses San Marco 4080. Hier in Dortmund wurde um 1805 die Stadtmauer abgerissen. Das Kuckelke Tor wurde 1806, das Neu-, Osten- und Westentor 1810 abgerissen. Zu dieser Zeit wurden auch alle Klöster enteignet und der Grundbesitz an die Stadt Dortmund übergeben. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 wurden die französischen Truppen aus Deutschland vertrieben.

Weitaufnahme Ostseite der Platane

Im Jahre 1837 gab es die erste Zeche in Dortmund. Man brauchte viele Arbeitskräfte und damit gab es eine Kettenreaktion der Zuwanderung aus den östlichen Provinzen, aus Westpreußen, Posen und insbesondere aus Ostpreußen. Die erste Zeche in Marten, genannt Schacht Germania I, wurde am 1. Juni 1855 begonnen. Wegen des starken Wassereinbruchs konnte man aber erst 1858 in einer Tiefe von 38 Metern die erste Kohle fördern. 1860, zwei Jahre später, erhielt sie ihren ersten Eisenbahn-Anschluss. Wegen der vielen und schwerwiegenden sozialen Probleme gab der große Streik von 1889, an dem sich 80% aller Bergleute beteiligten, einen Anstoß, Gewerkschaften zu gründen.

Es gab zu der Zeit in Marten unwahrscheinlich große soziale Probleme, denn die Zahl der Einwohner explodierte und der Wohnraum war knapp, die Kindersterblichkeit überaus groß, die medizinische Versorgung fehlte fast gänzlich. 1895 hatte Marten 5048 Einwohner, zehn Jahre später, also 1905, waren es schon 10424.

In diesen Jahren wurde in unserem Ort sehr viel gebaut. Bereits 1886 wurde die Bismarck-Schule an der heutigen Steinhammerstraße errichtet. Weitere Schulen entstanden mit der Luther-Schule, heute Germania-Schule, im Jahre 1883. Da der Bedarf aber immer noch nicht gedeckt war, baute die Gemeinde Marten an der Mühlenstraße, heute Schulte-Heuthaus-Straße, die katholische St. Joseph-Schule. Zur gleichen Zeit erhielt die Bismarck-Schule einige neue Klassenräume. Der letzte Neubau einer Schule war in den Jahren 1904-1905 mit der Hohenzollern-Schule.

In das evangelisch geprägte Marten kamen zu dieser Zeit immer mehr Katholiken. Deshalb baute man 1899 eine katholische Kirche, den Bauplatz stellte die Witwe des Gutsbesitzers Haumann zur Verfügung. Die evangelische Immanuelkirche folgte mit der Grundsteinlegung am 5. August 1906 an der Hohenzollernstraße, heute „An der Wasserburg“. Die Einweihung der im Jugendstil gestalteten Kirche erfolgte am 18. März 1908.

Nahaufnahme Ostseite der Platane

Im Jahre 1905 wurde an der Bochumer Straße, der heutigen Martener Straße, ein Schwesternhaus der Franziskanerinnen aus Salzkotten mit einem Kindergarten errichtet. Die schönsten Gebäude, die wir heute noch bewundern können, stammen aus dieser Zeit. Doch diese Entwicklung wurde durch den 1. Weltkrieg jäh zunichte gemacht. In den vier Jahren des Krieges starben aus Marten fast 400 junge Leute. Der Großteil einer Generation wurde ausgelöscht. Die Weltwirtschaftskrise verstärkte die negative Entwicklung des Ortes. Die Schachtanlage Germania II stellte den Betrieb am 01.10.1929 und Germania I am 15.10.1930 ein.

Dies alles bereitete den Boden für die Nationalsozialisten, die 1933 an die Macht kamen. Nach dem 2. Weltkrieg, der Marten bei den Zerstörungen zum großen Teil verschont hatte, begann man 1953 mit dem Zentralschacht auf Germania an der Martener Straße, der modernsten Schachtanlage Europas. Aber auch diese Zeche ereilte das Schicksal seiner Vorgänger. Am 14.05.1971 wurde auf Germania die letzte Schicht gefahren. Der 64 Meter hohe Förderturm, einst Wahrzeichen Martens, schmückt heute das Bergbaumuseum in Bochum. Diesen herben Verlust an Arbeitsplätzen hat Marten bis heute nicht verwunden, denn die Zeche gab mehr als 7000 Kumpeln Lohn und Brot. Auch die Gebietsreform 1975 mit der Auflösung des Amtes Marten und die Verlagerung der Polizei nach Lütgendortmund musste Marten schweren Herzens erdulden.

Doch ich als alte Platane sehe vor allem die positiven Dinge. Darüber freue ich mich, dass in Deutschland mehr als 70 Jahre Frieden herrscht, dass auf dem Schützenplatz so viele Veranstaltungen stattfinden, dass man mich als Naturdenkmal anerkannt hat und mich nun beschützen will. Aber besonders freue ich mich tagtäglich über die Kinder, die auf dem Spielplatz an der Randebrockstraße herumtollen können.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit liebe Martener und bleibe Ihre alte Platane ♡

Westseite der Platane

Statistische Daten über mich

Ausschnitt aus dem Baumkataster Dortmund

Ausschnitt aus dem Verzeichnis der Naturdenkmale (ND) und geschützten Landschaftsbestandteile (LB) in Dortmund